Leipzig Grünau - 30 Jahre Grünau - Historisches: Wie Grünau zu seinem Namen kam

Am Südrand von Grünau befindet sich eine Eigenheimsiedlung, die sich mit einer Länge von 2,5 km von der Schönauer Straße bis zur einstigen Stadtgrenze zwischen dem Lausener Weg und Fränkischer Straße erstreckt. Die Anfänge der Siedlung gehen auf das Jahr 1919 zurück.

Das Siedlungsgebiet gehört zur Flur Kleinzschocher und lag bis zum Beginn des Neubaugebietes Grünau weit außerhalb der bebauten Stadtfläche. Nördlich davon erstreckten sich die Felder von Schönau und südlich davon befindet sich noch heute die Feldflur von Großzschocher einschließlich einer nach 1945 entstandenen Neubauernsiedlung. Eingebettet in das Siedlungsgebiet lagen schon vor 1919 die auf städtischem Gelände entstandenen Kleingartenvereine "Edelweiß" und "Immergrün", die nach den Plänen des Leipziger Stadterweiterungsamtes von 1927 "mit ihren schönen Baumbeständen als Daueranlagen erhalten werden" sollten.

Das Siedlungsgelände wurde nach dem ersten Weltkrieg in Parzellen mit meist mehr als 1000 m2 eingeteilt und an Privatpersonen verkauft. Die Nutzung war die bunteste, die man sich denken konnte: Obstgärten, Erdbeerplantagen, Hühnerfarm, Baumschulen, kleine Lauben und schlichte Sommerhäuschen. Bedingt durch die damals herrschende Wohnungsnot holten sich einzelne Grundstücksbesitzer die Genehmigung zum Bauen von Wohnungsbauten ein, und bereits 1921/ 22 waren die ersten Siedlungshäuser entstanden. Die Bautätigkeit konzentrierte sich zunächst nur auf die Parzellen am Lausener Weg und auf den westlichen Teil der Bamberger Straße. Da noch kein Bebauungsplan vorlag, wurde vom Rat der Stadt Leipzig die Baugenehmigung nur ausnahmsweise unter der Maßgabe erteilt, keinen Anspruch auf eine Licht - und Wasserzuführung zu erheben.

Die Siedler hatten sich anfangs zu einer "Gartengesellschaft" und schon 1921 zu einer "Kleinhaussiedlung Leipzig -Kleinzschocher e.G.m.b.H." zusammengeschlossen, die später als Ortsgruppe Leipzig-Kleinzschocher bzw. als Ortsgruppe "Am Lausener Weg" dem "Allgemeinen Sächsischen Siedlerverband e.V." angehörte. Bis zum Jahre 1926 wohnten in der Siedlung Grünau etwa 60 Siedler in ihren Einfamilienhäusern und 1927 war die Zahl der Gesuchsteller für den Neubau von Einfamilienhäusern so sehr angewachsen, dass sich der Rat der Stadt Leipzig veranlasst sah, im Jahr 1928 einen Bebauungsplan zu beschließen und die Straßenverhältnisse zu regeln. Da die Bebauung von den Grundstücksbesitzern als offene Bebauung begonnen worden war, wurde für das ganze Gebiet mit rein ländlichem Charakter offene Bebauung vorgesehen. Nur an der in Verlängerung der heutigen Rumjanzewstraße projektierten nördlichen Randstraße waren Gruppenhäuser geplant, da dieses Gelände städtischer Besitz war und eine Flächenaufteilung noch ausstand. Jedoch sind diese Gruppenhäuser nicht zur Ausführung gekommen. Für das gesamte Planungsgebiet, das ca. 105, 6 ha umfasste, war im Bebauungsplan eine zweigeschossige Bebauung vorgesehen, und die Errichtung gewerblicher Anlagen war nur am Lausener Weg möglich, was aber kaum erfolgte. Da die Wohnhäuser inmitten großer Gärten liegen, waren hier Platzgestaltungen vermieden worden. Interessant war an dem B-Plan, dass das Siedlungsgebiet von einem bis Zeitz projektierten Schifffahrtskanal durchschnitten werden sollte. Dieser war als Anschlusskanal an den Elster-Saale Kanal gedacht und sollte im Laufe eines Feldwassers folgend die Schönauer Straße an der Alten Salzstraße und den Lausener Weg an der Einmündung der heutigen Lichtenfelser Straße schneiden.

Der einzige Hinweis auf die Namensgebung von Grünau ist in einem Brief des Allgemeinen Sächsischen Siedlerverbandes e.V. Kreis Leipzig an das Stadterweiterungsamt Leipzig am 4.November 1926 zu finden, in dem mitgeteilt wird, "dass die Ortsgruppe am "Lausener Weg", jetzt genannt "Grünau e.V." aus dem Sächsischen Siedlerverband ausscheidet". Damit war der Name Grünau geboren.

Das Siedlungsgebiet zwischen Ratzelstraße und Alter Salzstraße (Miltenberger Straße Amorbacher Straße Wertheimer Straße) entstand erst seit 1932 auf Schönauer Flur. Heute umfasst die Siedlung Grünau einschließlich der Bergsiedlung 591 Grundstücke. Im Jahr 1975 waren davon 310 Grundstücke mit Wohnhäusern bebaut, und in den letzten 10 Jahren sind 17 neue Wohnhäuser hinzugekommen. Seit 1985 werden Restflächen des Neubaugebietes Grünau für Kleingärten erschlossen, die der Siedlersparte Grünau angegliedert sind.

Nach 1945 hat sich in der Siedlung Grünau vieles verändert. So wurden 1953/54 die Straßen in freiwilliger Aufbauarbeit durch Anfuhr von Trümmerschutt befestigt, und 1962/63 erhielt der größte Teil der Straßen seine Asphaltdecke. In der Siedlung Grünau gehört es zur guten Tradition, landwirtschaftliche und Gartenbau-Erzeugnisse für den Handel zu liefern. So wurden 1985 je 34 t Obst und Gemüse, 300 000 Eier, 400kg Kaninchen und 2000kg Geflügelfleisch zum Verkauf angeboten.

Obwohl die "Bergsiedlung" an der Bayreuther Straße heute zur Siedlung Grünau gezählt wird, unterscheiden sich die beiden Siedlungen nicht nur im äußeren Bild. Die Bergsiedlung wurde 1932 planmäßig nach Entwürfen des Architekten E. Lippmann errichtet, wobei die Häuser zwar mit gleicher Frontlinie, Firsthöhe, Fensterform und Einfriedung eine bauliche Einheit bilden, aber doch im Innern individuell gestaltet wurden. Insgesamt waren hier 3 Einzelhäuser und 18 Doppelhäuser entstanden. Die Bergsiedlung war auch von Anbeginn beschleust und an das städtische Gas- und Elektronetz angeschlossen. Für Leipziger Verhältnisse liegt die "Bergsiedlung" ebenso wie die ehemalige Gartenkantine "Immergrün" tatsächlich auf einer kleinen Anhöhe, denn die Schönauer Straße hat zur "Alten Salzstraße" ein deutlich sichtbares Gefälle.

•  siehe dazu auch den Artikel "Historisches - Der Stadtteil Grünau" und Übersicht 30 Jahre Leipzig-Grünau - Ein Rückblick auf die letzten Jahre
Quelle: Kulturbund der DDR, Gesellschaft für Heimatgeschichte Leipzig, Wolfgang Grundmann, "Historisches rund um Grünau" 1986
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Letzte Änderung dieser Seite: 19.02.2008 02:36 • © 2006-2010 GFECSImpressumW3C valid HTML 4.01Zum Seitenanfang