Jauchzet, frohlocket

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Klingerchöre laden zu Konzerten ins Gewandhaus / Neue Sänger jederzeit willkommen

Montagabend. Draußen ist es stockfinster. Von den Fensterscheiben rinnt der Regen. Trotzdem ist die Aula der Max-Klinger-Schule am äußersten Zipfel Grünaus proppenvoll. Der Max-Klinger- und der Jugendchor des Gymnasiums proben. Für Freitag und Sonnabend laden sie wieder zu den traditionellen Weihnachtskonzerten ins Gewandhaus ein. Und im ersten Jahr ohne ihren langjährigen Chorleiter Frank Hirsch, der im Frühjahr gestorben war, wollen sie beweisen, dass sie dessen Vermächtnis weiterführen.

Rein äußerlich ist noch alles ganz locker. Dicke Pullover, T-Shirts und Jeans statt roter Blusen, weißer Hemden und roter Fliegen. Nach der ersten halben Stunde legt Chorleiter Michael Haffner seine Jacke aufs Klavier. Der Dirigent kommt ins Schwitzen. Seine Arme signalisieren den einzelnen Gruppen ihren Einsatz. Seine hochgezogenen Mundwinkel bedeuten: freundlicher! "Stellt euch locker, Beine breiter. Denkt an die hellen Vokale. Und nun singt so leise, dass man die Heizung tropfen hört!" Diese Ansage wird verstanden. "Stille Nacht" erfüllt den Raum.

Unter dem Motto Jauchzet, frohlocket sollen am Wochenende weihnachtliche Musik von Praetorius, Schütz, Bach und Händel, aber auch Gospels und internationale Weihnachtslieder das Publikum im Gewandhaus begeistern. "Bei manchen Stücken musizieren 150 Sängerinnen und Sänger unserer drei Chöre gemeinsam, das will schon was heißen", sagt Vereinsvorsitzende Renate Wolff und betont den ehrenamtlichen Status der Chöre, die an ihren künstlerischen Ansprüchen auch in Zukunft festhalten wollen. "Für nächstes Jahr und 2008 habe ich immerhin das Gewandhaus schon wieder reserviert, und im Januar werde ich unsere Termine für 2009 festmachen", erzählt die Vereinschefin. Allerdings trüben Nachwuchssorgen den Blick in die Zukunft der Sangesfreunde. Für Kinder- und Jugendchor, die jeweils rund 50 Mitglieder zählen, werde es immer schwerer, die Reihen geschlossen zu halten. "Es ist heutzutage nicht mehr schick, in einem Chor zu singen", räumt Uwe Schöne ein. Der Lehrer vom Maria-Montessori-Schulzentrum singt seit 1988 im Max-Klinger-Chor mit, dem vor allem ehemalige Klingerschüler angehören. Aber auch andere Erwachsene, die Spaß am Singen haben. Egal, ob mit oder ohne Doktortitel, hier zählt jede Stimme.

Das bestätigt Constanze Glass. Die Bauingenieurin hat 1972 zum ersten Mal mit Frank Hirsch geprobt. "Das war noch im Pionierchor. Ich ging in die sechste Klasse", erzählt sie. An den Zwerg aus der Märchenoper Schneeweißchen und Rosenrot kann sie sich noch gut erinnern, wenngleich er längst nicht mehr zu ihrem Repertoire gehört. "Es wäre schade, wenn uns eines Tages die Kinder ausgehen. Aus denen gehen schließlich der Jugend- und später der Erwachsenenchor hervor."

Zu Chorproben sind Interessenten montags von 19 bis 21 Uhr (Erwachsene), dienstags von 17 bis 18.30 Uhr (Jugend) und mittwochs von 14.30 bis 16 Uhr (Kinder) jederzeit in der Max-Klinger-Schule am Miltitzer Weg willkommen. Für die Konzerte am Freitag und Sonnabend jeweils um 19.30 Uhr im Großen Saal des Gewandhauses gibt es noch Karten zu 16, 14 und 12 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr an der Gewandhauskasse, bei Musik Oelsner, an den TicketOnline-Vorverkaufsstellen sowie an der Abendkasse.
Leipziger Volkszeitung - Cornelia Lachmann [13.12.2006]
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