Oma weint in der Apotheke
Wachsender Protest gegen Abrisse in Grünau / 3500 Unterschriften gesammelt
Es brodelt im äußersten Leipziger Westen. 3500 Unterschriften hat eine Bürgerinitiative gesammelt, die den
"sofortigen Abriss-Stopp in ganz Grünau" fordert. Die Listen wurden an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD)
übergeben, erklärt Evelin Müller, die Chefin des Grünauer Komm-Vereins: "Im Grunde hat er dazu nichts
Verbindliches gesagt, nur Transparenz verlangt und die Abriss-Strategie verteidigt." Die Unterschriftenaktion
sei ein Selbstläufer gewesen, erzählt Müller: "Anfangs sollte sie nur im Wohnkomplex 8 laufen, aber dann haben
sich immer mehr Leute aus dem ganzen Stadtteil engagiert. Das zeigt, Grünau lässt sich nicht auseinander
dividieren." Der Anlass dafür war nicht nur, dass 2007 in dem Neubaugebiet 1365 Wohnungen fallen sollen.
Was viele Einwohner noch mehr beunruhige, sei die fehlende Perspektive. "Wenigstens hat Herr Jung ein baldiges
Gespräch zugesagt."
Es fehle eine verlässliche Aufklärung über die Pläne der Kommune, kritisiert Thomas Neitemeier, Inhaber der
Bärenapotheke in der Selliner Straße. "Die Stadt kann zwar nichts für die Abrisspolitik des Freistaates Sachsen,
doch sie kann frühzeitig informieren. Für Senioren über 70 bringt ein plötzlicher Umzug auch gesundheitliche
Folgen. Die Oma steht dann vor uns und weint in der Apotheke." Außerdem stünden 250 Arbeitsplätze allein im
Wohnkomplex 8 auf dem Spiel, so Neitemeier: "Absurde Politik - in Grünau wird mit Steuergeld abgerissen,
zugleich entstehen 500 Meter entfernt in Lausen mit Steuergeld neue Häuser."
Auch die Linkspartei geht mit der Stadtverwaltung ins Gericht. Die weitere Verzögerung des Grünau-Konzeptes,
das nun erst im März vorliegen soll, sei inakzeptabel, rügt Stadtrat Siegfried Schlegel: "Bürger und
Wohnungsunternehmen sind umgehend zu informieren." Sein DSU-Kollege Karl-Heinz Obser: "So was Schlimmes
habe ich noch nicht erlebt. Die Einwohner werden vom Rathaus mit ihren Sorgen allein gelassen." Die
Bürgerinitiative hat jetzt Protest-Postkarten drucken lassen, die die Anschriften von Oberbürgermeister
Jung, Sachsens Innen- und Bauminister Albrecht Buttolo (CDU) sowie von der Sächsischen Aufbaubank tragen.
Die Vorderseiten der Karten zeigen Abrissbagger. Daneben steht: "Stadtumbau Grünau? So nicht!"
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