Leitartikel Magazin Grün-AS 11/2006

zurück zur Übersicht "Presseinformationen 2006 - 30 Jahre Grünau"
Liebe Leserinnen und Leser,

den Grünauer haut nichts mehr um. Könnte man meinen. Denken wahrscheinlich viele. Hoffen garantiert einige.

Zumindest wird sein Stadtteil-Patriotismus seit etlichen Jahren erheblich strapaziert und folglich krankt er an Ermüdungserscheinungen. Könnte man meinen. Denken wahrscheinlich viele. Hoffen garantiert einige. Erinnern wir uns: Was war das doch für ein gemeinschaftlicher Aufschrei, als die erste Platte in Grünau fiel. Mit welchem Engagement hat man einst den 20. Jahrestag des Stadtteils gefeiert. Welche Initiativen wurden ins Leben gerufen, um überall zu demonstrieren: Das ist unser Wohngebiet und wir leben gern hier!

Zugegeben: Die Zeiten waren allgemein viel revolutionärer. Und im TV kam nicht eine Serie nach der anderen, die man auf gar keinen Fall verpassen durfte. Da war man noch nicht so abgestumpft, sondern hatte quasi noch den »Erfolg« der Wende im Rücken, dachte stolz an die Blasen, die man sich bei der montäglichen Ringumrundung geholt hatte, ging zu Versammlungen, unterschrieb Petitionen, plakatierte, intervenierte, demonstrierte und war der irrigen Meinung, dass Protest - in welcher Form auch immer dargebracht - letztlich auch Gehör findet.

Hofften garantiert einige. Dachten wahrscheinlich viele. Meinte auch ich. Reichlich naiv, denn die real existierende Demokratie ist - zumindest global gesehen - gescheitert. Wie sagte der venezolanische Präsident Hugo Chavez am 20. September vor der UNO: »Man müsste noch einmal die These von Aristoteles nachlesen... « Müsste man tatsächlich. Schuld an der Misere sind die Damen und Herren Volksvertreter, welche seit jeher dem göttlichen achten Gebot (sinngemäßer Inhalt: »Du sollst nicht lügen«) zuwider handeln. Könnte man meinen. Glauben garantiert viele. Denken wahrscheinlich die meisten. Ich nicht. Denn es ist leicht mit dem Finger auf Andere zu zeigen und selbst resigniert die Hände zu heben. Sicherlich: Es ist frustrierend zu sehen, dass nur allzu oft das älteste Parteibuch oder die dickste Brieftasche ausschlaggebende Kriterien sind. Beliebt ist auch das Aussitzen eines Problems - nicht zu verwechseln bitte mit den Sit-ins der 68-er, die das ganze Gegenteil darstellten. Und genau das könnte die Achillesverse der Politik und die Chance der Grünauer werden. Könnte man meinen. Hoffen vielleicht schon einige. Wissen aber noch zu wenige. Denn ein dickes Fell kann sich jeder wachsen lassen. Das kostet nichts, sondern erfordert lediglich Durchhaltevermögen und eine gewisse Phrasenresistenz gegenüber Hinhaltetaktiken und falschen Versprechungen. So weit die Theorie. Praktisch können die Grünauer nun mit ihrem ureigensten Thema - dem Stadtumbau - den Nachweis führen, ob die Demokratie auf kommunalpolitischer Ebene tatsächlich als gescheitert betrachtet werden muss. Schon allein dieses Experiment sollte es wert sein, sich zu engagieren.

Mit einer Initiative gegen die jüngsten Abrissvorhaben im WK 8 (siehe Seiten 4 bis 7) bekommen die Bewohner dieses Stadtteils neuerlich eine Gelegenheit, ihr dickes Fell zu zeigen. Dazu müssten sich die Grünauer jedoch positionieren, aufrappeln, ihr fokussiertes Interesse über die eigenen vier Wände, das eigene Haus, den eigenen Straßenzug oder den eigenen Wohnkomplex hinaus richten und endlich einmal Geschlossenheit demonstrieren.

Meint, denkt und hofft Ihre Klaudia Naceur
Magazin Grün-AS, Ausgabe 11/2006 - Klaudia Naceur [15.11.2006]
Weitere Informationen sowie Artikel im Magazin Grün-AS auf www.kulkwitzersee.com:
•  zurück zur Übersicht "Presseinformationen 2006 - 30 Jahre Grünau"
•  Weitere Jahrgänge des Grün-AS: Ausgaben der Jahre 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006 sowie Jahrgang 2007
•  Internetseite der Leipziger Volkszeitung (LVZ) auf www.lvz-online.de, u.a. auch mit aktuellen Artikel aus Leipzig und Grünau
Weitere interessante Informationensbereiche finden Sie auf www.kulkwitzersee.com:
•  Beiträge über den Stadtteil Grünau und wissenswerte Informationen finden Sie in einem unfangreichen Archiv unter www.gruen-as.de.
•  Jahrgänge Presseinformationen: Artikel der Jahre 1992, 1993, 1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008 sowie Jahrgang 2009
•  Die Flora und Fauna des Kulkwitzer See's: Bereich Pflanzen sowie Bereich Tierwelt von Dr. Leonhard Kasek
•  Allgemein: Spaziergang rund um See, Historisches, Aktuelle Veranstaltungen am Kulkwitzer See oder auch Digitale Grußkarten vom See
Weitere Links und Informationen im Magazin Grün-AS auf www.gruen-as.de:
•  Magazin Grün-AS Juni 1996: 20 Jahre Grünau - Entwicklung in Fakten - Teil 1 und Teil 2
•  Magazin Grün-AS Juni 1996: Ein Grünauer erinnert sich: "Von Schlammhausen in die Grüne Aue"...
•  Magazin Grün-AS November 2001: Kletterfels "K4" im WK8 eröffnet
•  Magazin Grün-AS 42/2004: GRÜN - LEBENDIG - ANDERS - Stuttgarter Allee, ein Stück Grünau... - Teil 1 und Teil 2
•  Magazin Grün-AS 10/2004: Good Bye Platte - Homage an das Leben im 16 Geschosser - Teil 1, Teil 2 sowie Teil 3
•  Magazin Grün-AS 10/2004: Ein PH 16 meldet sich zu Wort: "Sieben meiner Geschwister sind schon tot...!"
•  Historisches - Der Stadtteil Grünau, Historisches - Wie Grünau zu seinem Namen kam und 30 Jahre Leipzig-Grünau - Ein Rückblick auf die letzten Jahre
Letzte Änderung dieser Seite: 19.02.2008 01:38 • © 2006-2012 GFECSImpressumW3C valid HTML 4.01Zum Seitenanfang